Der Arbeitstag eines Developers: Anke und Sascha plaudern aus dem Nähkästchen

04.08.2016 von Johanna Darbritz in Arbeitsleben und Kultur
Schlagwörter zum Beitrag: , , , , ,

Jobs für Entwickler gibt es wie Sand am Meer. Stellenanzeigen bieten jedoch oft nur wenig Raum für konkrete Einblicke und lassen lediglich erahnen, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussehen wird. Wir haben uns gedacht – warum nicht unsere Entwickler einfach einmal selbst zu ihrem täglich Brot befragen?

Anke und Sascha haben uns Rede und Antwort zu ihrer Tätigkeit als Developer bei queo gestanden – und das metaphorische Nähkästchen kommt in diesem Interview tatsächlich zum Einsatz. ;)

 

Steckbrief Sascha

Name: Sascha Latzkowski

Jobbezeichnung: Developer (mit Spezialisierung auf Symfony)

Teamzugehörigkeit: PHP

Wie lange bist du schon bei queo: ca. 5 Jahre

Sascha Latzkowski, PHP-Developer | queo

 

 

Steckbrief Anke

Name: Anke Häslich

Jobbezeichnung: Fachteamleiter Frontend (Spezialgebiet Frontend/Typo3)

Teamzugehörigkeit: Frontend

Wie lange bist du schon bei queo: seit April 2015

Anke Häslich, Fachteamleiterin Frontend | queo

 

 

Früher Vogel oder später Wurm? Wann geht’s morgens los und wie beginnt ein typischer Arbeitstag bei dir?

Sascha: Ich finde das ist relativ – es gibt Entwickler, die sind total früh da und hingegen Grafiker, die kommen erst, wenn wir schon bei der zweiten Runde Kaffee sind. Ich komme eigentlich immer mit dem Fahrrad so zwischen 7:30 und 8:30 an.

Anke: Wir sind da recht ähnlich von den Zeiten, ich bin auch in etwa zur selben Zeit wie Sascha da. Ich komme meist mit der Bahn auf Arbeit. Und dann: Rechner starten, Kaffeetasse sammeln, Wasser holen.

Sascha: Genau, und so lange der Rechner hochfährt und Updates macht – erstmal Kaffee trinken.

Anke: Wenn wir es schaffen, dann gehen wir gerne gemeinsam nach oben in die Küche, früher war das einfacher, weil wir zusammengesessen haben. Jetzt ist es ein bisschen schwieriger, weil ich nicht so schnell mitkriege, ob Sascha schon da ist – und im Skype ist er irgendwie immer online… Wer wann auf Arbeit kommt, ist in den Teams meist recht unterschiedlich – da gibt es diesen einen Early Bird, der 7:30 schon längst da ist und andere kommen später, weil z.B. das Kind in den Kindergarten gebracht wird.

Sascha: Durch die flexiblen Arbeitszeiten ist das bei mir manchmal so: Ich steh´ früh auf und denke „Ach, ich bin spät dran – naja, jetzt ist es halt so.“ Und die Stand Ups sind meist 9:30 – das schafft man schon.

Wie trinkt ihr euren Kaffee?

Einstimmig: Schwarz!

 

Und dann: Wie geht’s weiter? In welche Projekte bist du aktuell involviert? Was ist deine Rolle dort?

Sascha: AOK, AOK, AOK und AOK. Ich habe zurzeit viel mit der Integration von neuen Funktionen und Modulen zu tun. Ich bin für die APIs und Backends verantwortlich. Die Wochensprints legen fest, welche Aufgaben ich in der Woche zu erledigen habe – außer natürlich es passiert irgendwas Ungeplantes. Die Tasks arbeite ich dann ab. Ich lese mir die Jira-Tickets durch und schaue was zu tun ist.

Anke: Ich öffne morgens auch als erstes Jira – aktuell arbeite ich an Projekten von AOK, Hanse und KBA – ich sehe mir die Prioritäten an und arbeite dann vor allem an einzelnen Komponenten und dem Frontend aber auch Supportaufgaben, Bugs beheben usw.

 

Gibt es Aufgaben, die du besonders gern machst? Oder solche, die du gar nicht magst? Welche sind das? Und welche gehst du typischerweise als erstes an?

Sascha: Ich mach zuerst das, was Spaß macht. Meistens habe ich einen großen Block und einen kleineren. Zum Beispiel sind bei mir 20 Stunden für ein neues Thema eingeplant. Damit fange ich dann an, damit ich mich dort wirklich reinknien kann und ich ungestört daran arbeiten kann. Danach widme ich mich den feingliedrigeren Aufgaben, 4 Stunden hier 8 Stunden dort usw. Ich glaube was die wenigsten Entwickler gerne machen sind so Fleiß- und Pflegearbeiten.

Anke: Das stimmt. Für mich ist eben zum Beispiel Contentpflege nicht Aufgabe des Entwicklers. Manchmal liegt das trotzdem bei uns, weil es schneller geht, als dass man jemanden eingewiesen hat. Ich versuche meine Woche meistens rund um die Termine zu planen, die ich so habe. Dass ich mir Arbeitspakete auf Tage lege, an denen sonst nicht so viel los ist. Freitag ist mit Meetings voll – da lege ich mir nur kleine Aufgaben oder Dokumentationen, weil ich bei großen Tasks sonst immer wieder aus den Gedankengängen rausgerissen werde. Wenn man so richtig im „Flow“ ist und gedanklich tief in einem Konstrukt drin steckt, ist es nicht förderlich, wenn man immer unterbrochen wird.

Sascha: Das kann ich bestätigen – wenn man im Flow drin ist, möchte man am liebsten in Ruhe gelassen werden – Kopfhörer auf, Musik an und dann geht’s zack zack zack.

 

Was ist, wenn du mal nicht weiter weißt?

Anke: In meinem Zimmer sitzen wir zu viert zusammen und wenn ein Problem im Frontend-Bereich auftritt, fragt man in die Runde. Irgendeiner hat es immer schon mal gemacht oder eine Idee, wie man da jetzt ran gehen könnte. Wenn keiner weiter weiß, kennt mit Sicherheit irgendwer irgendjemanden, der sich damit auskennt. Da ist bei den Entwicklern eigentlich genug Know-how vorhanden. Mir geht es auch manchmal so, dass wenn ich eine Lösung für ein kniffliges bzw. nerviges Problem gefunden habe, dass ich sie gerne jemandem zeige bzw. erkläre. Das kann direkt nach dem „Abschluss“ der Lösung passieren oder in unseren Wochenmeetings.

Sascha: Und zur allergrößten Not haben wir noch unsere Skypegruppe, die eigentlich für unseren Mittagschat gedacht ist, wo man die Frage stellen kann. Da findet sich immer problemlos ein Ansprechpartner. Den Head konsultiert man eher bei konzeptionellen Fragen – oder wenn was abgesegnet werden muss, ansonsten helfen wir uns untereinander.

Anke: Und wenn man was ganz Neues ausprobiert, was wirklich noch gar keiner gemacht hat – dann hilft nur Google…

Sascha:…Dein Freund und Helfer.

Anke: Wie schon gesagt ist unser Wochenmeeting eine Plattform, um mal größere Themen zu besprechen. Was gab es für Probleme, Herausforderungen usw. – wie habe ich es gelöst bzw. wo klemmt es noch. So werden die anderen informiert und man tauscht sich aus. Man steht nur alleine da, wenn man nicht fragt. Für unsere Werkstudenten haben wir das System, dass für sie direkt ein Ansprechpartner mit eingeplant wird – der kann ihm dann jederzeit helfen. Und bei der Einarbeitungsphase hat man natürlich auch seinen Guide.

Sascha: Oder auch andersrum: unser Werkstudent bringt uns manchmal mehr bei als wir ihm, weil er Dinge hinterfragt…

 

Und wenn die Motivation mal im Keller ist?

Sascha: Musik hören, mal eine Pause auf dem Balkon, Facebook, lustige GIFs anschauen, Nachrichten lesen – einfach mal kurz aus dem Thema raus. Ich schau manchmal nach Mittagsresten in der Küche.

Anke: Ich geh dann immer gucken ob es Obst oder Süßigkeiten und im Sommer eben Eis gibt. Ich mach dann einfach mal eine Pause, hole einen Kaffee und gehe kurz vom Rechner weg.

 

Die lieben Kollegen: Wenn du dein Team in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Sascha: sarkastisch… Anke: witzig und hilfsbereit

Sascha: verfressen und durstig  Anke: neugierig!

 

Pausengestaltung: Wie sieht die Mittagspause aus?

Sascha: Wir versuchen schon zwei Mal pro Woche mittags gemeinsam zu kochen. Ich weiß, dass das andere Entwicklerteams beinah täglich machen, bei uns richtet sich das so bisschen nach Lust und Projektlast. Ansonsten bringe ich mir was mit. Freitags ist unser Ritual zusammen asiatisch, pakistanisch – oder wie diese Woche – italienisch essen zu gehen. Danach besorgen wir noch Craft Beer für den Feierabend. Und wer Bock hat, sitzt dann auf unserer gemütlichen Couch noch ein bisschen zusammen.

Anke: Das ist ursprünglich mal aus einem Projekt entstanden, wo wir ziemlich viel und hart dran gearbeitet haben – wenn dann freitags der Letzte aus der Sprintplanung kam, haben wir einfach noch kurz zusammengesessen – und so wurde daraus eine kleine Tradition.

Sascha: Manchmal sind wir zu dritt, ab und an gesellt sich ein PM oder Admin dazu – da sind wir dann schon mal bis zu acht Leute und machen ein kleines Beer Tasting.

Anke: Ich bin beim Mittag eher bei der „Rausgeh- Fraktion“. Mir ist das in der Küche manchmal einfach zu voll – wenn fünf Leute gleichzeitig kochen, dann krieg´ ich schnell mal die Krise. Wenn ich koche, fang ich dann auch immer schon etwas eher an. Ansonsten mag ich es, einfach auch mal bisschen rauszugehen über Mittag.

 

Was zeichnet Entwickler bei queo deiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Positionen besonders aus?

Anke: Bei uns ist die Atmosphäre absolut konzentriert und total ruhig.

Sascha: Ich denke, Entwickler spüren Zeitdruck am meisten. Dabei tragen wir häufig die Verantwortung. Das schlimmste Vorgehen ist meiner Meinung nach, wenn der Entwickler das letzte Glied in der „Nahrungskette“ ist – deshalb versuchen wir bei queo auch immer schon konzeptionell mitzuarbeiten und bei Pflichten- sowie Lastenheft involviert zu sein. Wenn es anders läuft, wird die Qualität der Arbeit einfach zu stark beeinträchtigt.

Anke: Im Frontend ist es genauso: sich frühzeitig mit dem Designer abzusprechen und nicht hinterher erst sagen „Das geht so nicht“. Wir Entwickler sind sehr diszipliniert und denken analytisch.

Sascha: Auf jeden Fall! Oft sitze ich in der ersten Planung und es ist noch nichts Konkretes ausgesprochen – und in meinem Kopf rattert es schon „Wie könnte ich das umsetzen?“ Ansonsten finde ich es wichtig auch fachlich intervenieren zu können – gerade wenn es auf Qualität ankommt, ist es als Entwickler wichtiger die Deadline in Frage zu stellen, als ein Projekt unter Zeitdruck online zu stellen, was unseren Qualitätsansprüchen nicht nachkommt.

 

Was würde dein Head/Teamleiter speziell über dich als Entwickler sagen, wenn ich ihn jetzt spontan fragen würde?

Sascha: Ich beweihräuchere mich ja ungern selbst, aber letztens wurde mir vom Head gesagt, ich sei universell wie ein Schweizer Taschenmesser – und ich würde sehr viel für den Teamzusammenhalt tun.

Anke: Bei mir war das letzte Feedback seit meiner neuen Aufgabe als Fachteamleiter, dass meine fachliche Handschrift im Frontendteam deutlich spürbar wäre. Außerdem werde ich im PHP-Team vermisst.

 

Feierabend: Wann wird der Rechner runtergefahren und wie endet dein typischer Arbeitstag?

Anke: Ich bin meistens bis 18 Uhr da. Manchmal kommt man ab 17 Uhr sehr gut zum konzentrierten Arbeiten. Dann kann es auch mal bis 20 Uhr werden, dass ich aber dank unserer Gleitzeiten gut ausgleichen kann.

Sascha: Ich kann das so pauschal gar nicht sagen – meistens so zwischen 17 und 17.30 Uhr, aber durchaus auch länger. Ich versuche meine Themen immer zu so einem Punkt zu bringen, dass ich am nächsten Tag wieder gut rein finde. Außer man hat sich so in einem Problem festgebissen, dass man besser am nächsten Morgen mit einem frischen, unverbrauchten Geist starten sollte, dann muss manchmal ein Cut sein. Dann sieht man Dinge, die man nicht gesehen hat, denkt an Dinge, an die man nicht gedacht hat: Oft hat man das Problem am nächsten Tag innerhalb von fünf Minuten gelöst.

 

Und nach der Arbeit? Wie lässt du den Tag ausklingen?

Anke: Ich nähe sehr gerne. Aktuell eine Tasche. Die Begeisterung fürs Nähen hat Ende letzten Jahres zu Fasching angefangen. Ansonsten: zocken, Freunde treffen, in letzter Zeit viel Fußball schauen…

Sascha: Ich gehe nach Feierabend meistens zu meinem Beet, das liegt in einem Gemeinschaftsgarten um die Ecke. Wenn ich früh noch nicht gegossen habe, dann mach ich das nach der Arbeit und schaue was ich so ernten kann. Zurzeit sind das Mangold, Rauke, Zuckerschoten und Löwenzahn. Ansonsten schlage ich einmal pro Woche mit Basstasche auf, denn ich habe eine Band, die sich zur Probe trifft. Ansonsten die Klassiker: was Nettes zu Essen kochen, Serien schauen, zocken, Musik hören. Mein Heimweg auf dem Fahrrad hilft mir den Kopf frei zu kriegen.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, etwas an deiner Arbeitstätigkeit zu verändern, was wäre das?

Sascha: Ich finde man könnte Prozesse noch optimieren, da haben wir noch Potenzial. Zum Beispiel wie Konzepter und Entwickler zusammenarbeiten. Wir gehen agil vor, aber auch hier können wir noch an uns arbeiten. Ansonsten habe ich meine Richtung gut gefunden.

Anke: Für die fachlichen Sachen ist das halbjährige Mitarbeitergespräch für mich immer DIE Möglichkeit, um anzusprechen wie man sich entwickeln möchte. Ich habe mich ja kürzlich erst verändert. Der Jour Fixe ist der kurze Weg, um sich über akute Probleme und kurzfristige Veränderungen auszutauschen.

 

Lieber Sascha, liebe Anke, vielen Dank für dieses Interview!

Artikel kommentieren

Es steht Ihnen frei einen Kommentar zu hinterlassen. Sie finden Informationen zur Verwendung Ihrer Daten in unserer Datenschutzerklärung.

Alle mit ∗ markierten Felder sind Pflichtfelder und sollten ausgefüllt werden.

1 Kommentar
  1. Von Maik 16. August 2016, 1:03

    Danke fuer die tiefen Einblicke und Offenheit. Solche Beschreibungen sollten bei allen Firmen Pflicht sein und auf Stellenangeboten immer mit verlinkt werden (gleich nach den Angaben zum Joel test).

    Liebe Gruesse nach Dresden! Besonders an die Anke, die sich vielleicht noch an mich erinnert :)